Schweinemuseum hat eröffnet

Fleischlieferant und rosarotes Kuscheltier
 
So viel Schwein hatte Stuttgart noch nie: Das kann man seit der Eröffnung des Schweinemuseums im Alten Schlachthof getrost behaupten. Am ersten Mai war der offizielle Start für das Museum mit dem rosaroten Konzept. Seitdem zeigt es, wie viele Facetten das Borstentier hat – und dass sich Spaß und Erlebnis bestens mit Information verbinden lassen.
OB Wolfgang Schuster und Familie Wilhelmer (links Erika Wilhelmer) eröffnen „Stuttgarts größte Sauerei“.     Foto: aia

Wer hätte gedacht, dass in Dänemark deutlich mehr Schweine als Menschen leben? Dass im vorderen Orient noch vor den Rindern Schweine ein verbreitetes Haustier waren und in Südostasien heute noch Schweinegottheiten verehrt werden? All das ist im Schweinemuseum zu erfahren, denn Chefin Erika Wilhelmer hat nicht nur rund 40 000 Exponate gesammelt, sondern möchte auch über ihr Lieblingstier informieren. Was nicht heißt, dass die Besucher mit trockenen Fakten gefüttert werden: Der Gang durch die vielen Zimmer des frisch renovierten Jugendstilbaus, der genau 101 Jahre alt ist, erweist sich als sinnliches Erlebnis. Da geht man im Waldzimmer über federnden Boden, und hört Gezwitscher. Da entdeckt man beim goldenen Edelschwein eine Ahnengalerie der Schweinerassen. Man schaut in Kästen und Schubladen, hört mythische Geschichten, guckt Trick-Filme mit Schwein und bekommt unzählige Redewendungen und Ausdrücke rund um das Tier mit dem Ringelschwanz geliefert, bis hin zu echt schweinischen Anspielungen. 
Der Ausstellungsraum „Küche“ zeigt das uralte Haustier nüchtern in seiner Funktion als Fleischlieferant, während es ein Stockwerk höher zum heiß geliebten Kuscheltier erhoben wird: Ein Turm aus rosaroten Plüsch-Ferkeln vervielfacht sich in mehreren Spiegeln.
Das Schwein ist wild oder zahm, mystisch oder prominent wie Miss Piggy. Es ist auch ein echt schwäbisches Tier, wie OB Wolfgang Schuster bei der Eröffnung anmerkte: Es kostet nicht viel, ist genügsam und nützlich. Der Rathauschef brachte zur Eröffnung ein knallrotes Glücksschwein für Erika Wilhelmer mit. Das hat sie sich redlich verdient: Zusammen mit ihrem Sohn kämpfte sie lange für ihren Traum. Drei Anläufe habe es gebraucht, bis Gemeinderat und Verwaltung sich davon überzeugen ließen, „dass Stuttgart auch die Stadt der Schweine sein kann“, so Michael Wilhelmer. Ursprünglich hätte die Stadt gern ein Gründerzentrum im alten Schlachthof-Verwaltungsbau gehabt, das sei „aber auch nicht so richtig sexy“ gewesen, meinte der OB, der mittlerweile dem Charme des Schweinemuseums erlegen ist: „Es ist saugut.“
Der Stadtteil gewinnt einen schönen, großen Biergarten und der Handels- und Gewerbeverein Stuttgart-Ost ein neues Mitglied, denn das Schweinemuseum ist bereits beigetreten. 
Weltgrößtes Schweinemuseum
Der Verwaltungsbau des Schlachthofes wurde im Jahr 1909 erbaut, noch erhalten sind auch das ehemalige Pförtnerhaus und die einstige Polizeiwache. Seit Anfang der 1990er-Jahre stand das Gebäude leer. Im November 2009 haben Wilhelmers, die eingesessene Stuttgarter Gastronomen sind, den Jugendstil-Bau für 800 000 Euro gekauft. Dann wurde im Rekordtempo für weitere 2,4 Millionen Euro renoviert. Mehr als 37 000 Exponate in 28 Themenräumen sind zu sehen. Erika Wilhelmer sammelt schon seit Jahrzehnten alles rund ums Schwein und hatte zuvor eine Ausstellung in Bad Wimpfen, die 1992 als größtes Schweinemuseum der Welt ins Buch der Rekorde eingetragen wurde. Sie konnte mit dem Umzug nach Stuttgart noch deutlich erweitert werden.
Ihr Sohn Michael führt das Museum und ist gleichzeitig Betreiber des Restaurants im Erdgeschoss samt Gartenwirtschaft und Biergarten: Insgesamt 600 Sitzplätze gibt es im Freien, wobei Besucher in bestimmten Bereichen ihr eigenes Vesper verspeisen oder sogar grillen dürfen. www.schweinemuseum.de
 
Im Waldzimmer verstecken sich einige Schweine. Foto: aia