Wildnis soll Spielwiese werden

Pläne für die untere Klingenbachanlage

Im kommenden Jahr will die Stadt den Bereich unterer Klingenbach für 350.000 Euro besser zugänglich machen und attraktiver gestalten. Dafür müssen die Kleingärtner Grund und Boden abgeben.

Das Projekt liegt im Sanierungsgebiet Stuttgart 24 Ost, deshalb können 60 Prozent der Kosten von rund 350.000 Euro aus Zuschüssen von Bund und Land gedeckt werden.


Zurzeit präsentiert sich die Klinge an der Talstraße, deren Bach verdolt ist, als verwilderte Brache: Gebüsch, Bäume, ein paar Erdhaufen. Hier soll eine weitgehend ebene Wiese zum Toben und Spielen entstehen, mit Spielgeräten und Sitzgelegenheiten. Als Zugang wird der vorhandene Weg von der Tal-/Hornbergstraße her ausgebaut und bis zum Stich Talstraße 68 fortgesetzt. So soll die neue Anlage von unten aus barrierefrei zugänglich sein, von oben und durch einen weiteren Zugang unterhalb der Talstraße 72 über Treppen.

Nicht mehr zur Diskussion sind ein Bolzplatz oder eine BMX-Strecke in diesem Bereich: Das sei durch den Bebauungsplan nicht gedeckt, sagte Katja Jourdan vom Stadtplanungsamt.

Der Bezirksbeirat begrüßte die neuen Pläne. Bedenken haben aber die Kleingärtner Stuttgart-Ost, die für den oberen Zugang einen Garten abgeben sollen. Besagtes Grundstück sei erst vor drei Jahren an eine Familie mit Kindern gegeben worden, die zuvor lange darauf gewartet habe, sagt der Vorsitzende der Gartenfreunde, Hermann Schuster. Er fordert, zu einer älteren Planung zurückzukehren, bei der lediglich ein Streifen von zwei Gärten benötigt wurde.

Grund und Boden der Kleingartenanlage gehören der Stadt. Die Gartenfreunde haben aber alle „Stückle“ verpachtet und nach Angaben ihres Vorsitzenden 30 Bewerber auf der Warteliste. Sie befürchten zudem vermehrten Vandalismus, wenn die Anlage weiter geöffnet wird. Immer wieder würden Gartenzwerge, Zäune und Tore demoliert, kürzlich sogar ein ganzes Häusle, sagt Schuster. Eine Anzeige liegt der Polizei aber nicht vor.

Jetzt laufen Gespräche mit den Kleingärtnern und anderen Beteiligten. Eine Anwohnerin schlug in der Bezirksbeiratssitzung vor, auch die Jugendlichen aus dem Umfeld einzubeziehen. Weitere Punkte sprachen Bezirksbeiräte an: So müsse die Eiche an der Talstraße ebenso wie ein historischer Stollenzugang gesichert werden. Auch eine Querungshilfe über die Landhausstraße soll geprüft werden, um eine engere Verbindung zum bestehenden Klingenbachpark zu erreichen.

Möglicherweise kommt in der neuen Anlage auch die „Kuhherde“ des Künstlers Otto Baum unter. Das 2,5 Meter hohe und 8,5 Meter lange Betongussrelief schmückte früher den Schlachthof und sucht jetzt einen neuen Standort. aia

 

klingenbach: Diese Wildnis soll Spielwiese werden.  Foto: aia