Projektförderung ade

Bezirksbeirat will „Mandie“ nicht

Hinter der Verschönerung der Fußgängerbrücke über die Talstraße steht ein großes Fragezeichen. Denn die Vorstellungen des Bezirksbeirats passen nicht ins Förderprogramm „Mandie“ und die beiden Handels-und Gewerbevereine ziehen sich aus dem Projekt zurück.

Stadtteilmanager Torsten von Appen kann zur Förderung von Handel und Gewerbe Gelder aus dem europäischen Programm „Mandie“ beantragen. Er hatte deshalb bei den HGVs nach passenden Projektideen gefragt und unter drei Vorschlägen die farbliche Gestaltung des Fußgängerstegs ausgewählt.

Nach mehreren Anläufen war ein Entwurf gefunden, der dem Programmraster entsprach und auch von der Stadtverwaltung akzeptiert wurde. Diese Variante fiel aber im Juli beim Bezirksbeirat durch (wir berichteten). In jener Sitzung erklärte sich Olaf Fuchs, Inhaber einer Werbeagentur, spontan bereit, drei weitere Entwürfe vorzulegen. Gleichzeitig wollten HGVs und Stadtteilmanager ihren Vorschlag überarbeiten.


Auf dieser Grundlage sollten die Bezirksbeiräte am 6. Oktober eigentlich Nägel mit Köpfen machen. Zunächst mussten sie sich aber in Geduld üben und einen ausführlichen Vortrag von Appens über das Stadtteilmanagement hören, während Olaf Fuchs eine kleine Vorlesung über Werbung hielt. Der überarbeitete HGV-Entwurf zeigte die bereits bekannten Einkaufs-Slogans (Warum in die Stadt, wenn’s auch der Osten hat/Warum in die Ferne fahren – Einkaufen im Osten), dieses Mal auf einfarbigem Untergrund. Olaf Fuchs platzierte ein Stadtteil-Logo und eine Internet-Adresse auf einer komplett orangefarben gestrichenen Brücke.

Die Grünen steuerten eine weitere Variante bei. „Wir haben uns gedacht, wir streichen diese Brücke einfach ganz rot an und nennen sie die rote Brücke“, so Roland Hartmann. Dagmar Uhlig als Vertreterin der Linken fand diese Idee „total klasse“. Sie habe verkaufsfördernde Sprüche satt. Auch Daniel Camoplieti (SPD) stufte die Slogans im HGV-Entwurf als „anbiedernd“ ein. Veronika Beck (Grüne) hielt sie für irreführend, denn es gebe ja kaum Einkaufsmöglichkeiten am Ostendplatz und in Gablenberg.

Bisher sei vom Stadtteilmanager immer ein „klarer Hinweis auf die Nahversorgung“ gefordert worden, erinnerte Peter Metzler, Vorsitzender des HGV Gablenberg: „Wir müssen die Vorgaben dieses Mandie-Programms erfüllen, sonst geht gar nichts.“ Von Appen bestätigte, dass eine Botschaft gebraucht werde, „die auffordert zum Kauf im Stadtbezirk“.

Genau das lehnte aber die Mehrheit des Bezirksbeirats ab. Für die beiden HGVs war damit klar, dass sie aus dem Projekt aussteigen. Von ihren Mitgliedern gebe es mit Sicherheit kein Geld für eine derart allgemeine Brückengestaltung, stellten Peter Metzler und Thomas Rudolph (HGV Stuttgart-Ost) klar. aia

 

 

Kommentar

Der Bezirksbeirat hat sicherlich das Recht, einen Entwurf abzulehnen. Er kann auch eine Alternative einfordern oder selbst einbringen. Aber wer argumentiert, er fühle sich von den Handels- und Gewerbevereinen „genötigt“, weil sie nur Geld beisteuern, wenn sie die Interessen ihrer Mitglieder gewahrt sehen, der bewegt sich fernab der Realität. Und wer Wegzeiger zu den Einkaufsstraßen ablehnt, weil es da ohnehin kaum was zu kaufen gebe, muss sich den Vorwurf des Zynismus gefallen lassen.

Das Logo von Olaf Fuchs mag ein Hingucker sein, der Vorschlag der Grünen von der „roten Brücke“ originell. Das ist Geschmacksache, aber beides erfüllt nicht die Vorgaben für den Fördertopf, aus dem der Stadtteilmanager das Projekt finanzieren wollte. Das war und ist allen Beteiligten bekannt. Die HGVs haben viel Arbeit eingebracht und ein passendes Konzept entwickelt – um nachträglich zu erfahren, dass etliche Bezirksbeiräte die Vorgaben sowieso grundsätzlich ablehnen.

Die HGVs haben sich jetzt folgerichtig zurückgezogen; der Stadtteilmanager wird sein Geld anderweitig unterbringen. Die Brückenverschönerung ist damit eine Idee wie unzählige andere: wünschenswert, schön, sinnvoll - aber leider nicht finanziert. Will der Bezirksbeirat dafür auf sein Budget zurückgreifen oder eine große Geldbeschaffungsaktion starten? Dann muss er sich fragen lassen, ob es im Stadtteil nicht Wichtigeres gibt, wofür man rund 10 000 Euro ausgeben möchte.