Engagiert ohne ideologische Scheuklappen

175. Geburtstag von Eduard Pfeiffer

Am 24. November vor 175 Jahren wurde in Stuttgart Eduard Pfeiffer geboren. Der jüdische Bankier, Genossenschaftler und Sozialreformer hatte großen Einfluss auf die Baupolitik der Landeshauptstadt. Er war ein wichtiger Wirtschaftsförderer im Land und gleichzeitig Sozialreformer, der sich für humane Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzte.

Unter anderem hat Pfeiffer den „Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse“ gegründet, den heutigen Bau- und Wohnungsverein mit Sitz in Stuttgart-Ost. Dieser gilt als eine der ersten Institutionen des sozialen Wohnungsbaus und schuf an die 1800 Wohnungen, darunter die Siedlung Ostheim. Noch heute ist beim Bau- und Wohnungsverein der Geist seines Gründers präsent, nicht nur, weil seine Büste im Gang steht und sein Bild an der Wand hängt. Bei anstehenden Entscheidungen frage man sich in den Gremien des Vereins oft: „Wie hätte Eduard Pfeiffer entschieden?“, sagt Vorstand Thomas Wolf.


Die sternförmig angelegte Kolonie Ostheim ist heute mit rund 200 Einzeldenkmalen das größte Gesamtdenkmal auf der Stuttgarter Liste. Sie entstand als Mustersiedlung gegen die Wohnungsnot im ausgehenden 19. Jahrhundert. Herausragende Kennzeichen zur Bauzeit waren die großzügigen Wohnungen und die sehr günstigen Mieten, aber auch die damals ungewöhnliche Möglichkeit zum Mietkauf. Mit ihr wollte Eduard Pfeiffer es auch armen Familien ermöglichen, Wohnraum zu erwerben. Weitere Projekte des „Vereins für das Wohl der arbeitenden Klasse“ waren die Wohnkolonie Ostenau oder die Wohnkolonie Abelsberg-/Alfredstraße.

Eduard Pfeiffer hat aber auch Wohnheime für Arbeiterinnen, ledige Mütter und Säuglingsheime gebaut, er hat die Pfandleihanstalt gegründet und den Consumverein. Er beschäftigte sich mit dem Genossenschaftswesen und förderte die Wirtschaft, zum Beispiel durch die Gründung der Württembergischen Vereinsbank, die Firmengründern Starthilfe gab und kleine Unternehmen unterstützte.

Überhaupt war Eduard Pfeiffer ein Mensch, der ohne ideologische Scheuklappen forschte und sich engagierte. Er lehnte die Auswüchse des Kapitalismus und staatliches Laissez-Faire gegenüber wirtschaftlichen Kräften ebenso ab wie staatsdirigistische Wirtschaftssysteme. So glaubte er nicht, dass Sozialismus oder Kommunismus menschenwürdige Verhältnisse schaffen. Unterm Strich war Eduard Pfeiffer wohl ein Verfechter dessen, was heute soziale Marktwirtschaft heißt. Ganz sicher war er ein Unternehmer mit großem sozialem Verantwortungsgefühl und großem Engagement.    aia