Jugendliche wollen in „RiO“ was bewegen

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Gegen Langeweile und Perspektivlosigkeit
Wer mit sich und seiner Zeit nichts anzufangen weiß, kommt schnell auf dumme Gedanken. Den Kreislauf aus Langeweile und Problemen will ein Gruppe Jugendlicher und junger Männer aus Raitelsberg durchbrechen.
„Wir wollen dazu beitragen, dass „RiO“ nicht immer nur negativ gesehen wird“, sagten die Jungs im Bezirksbeirat, wo sie sich und ihr Projekt vorgestellt haben, gekoppelt mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Sie möchten zunächst eine Fahrt nach Augsburg machen und dort eine Initiative in einem ähnlichen Stadtviertel besuchen. Zweites Vorhaben ist, Kontakte zur krimtartarischen Jugend in der Ukraine zu knüpfen. Vor allem aber wollen sie das Boxtraining „BiO“ - „Boxen im Osten“ - wieder zu beleben.


Mit ihrem Auftreten im Bezirksbeirat hat die Gruppe einen wirklich guten Eindruck hinterlassen. Auch im persönlichen Gespräch wirken die Jungs, vor allem die beiden Wortführer Deniz und Boris, überzeugend und abgeklärt. Dabei haben auch einige von ihnen schon „Dummheiten gemacht“, wie sie selbst sagen. Ins Denken gekommen sei er, weil er für seine kleinen Brüder einen anderen Weg wünscht, sagt Deniz. Man könne die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher in „Raitelsberg im Osten“ – daher das Kürzel „RiO“ – nicht anschauen, sagt Boris.
Gespräche mit Ernst Strohmeier von der Deutschen Jugend aus Russland (DJR) bestärkten sie, etwas in ihrem Stadtteil auf die Beine zu stellen. Deniz sprach gezielt einige Jungs an. Jetzt treffen sich Alpay, Daniel, Kadir, Cem, Wehbi, Deniz, Boris und weitere jede Woche in den Räumen der DJR, wo sie sich auch Rat und Unterstützung holen können. Die Jungs sind zwischen 14 und 23 Jahren alt, mit Wurzeln in ganz unterschiedlichen Ländern, aber fast alle in Raitelsberg aufgewachsen.
Auch erste Kontakte zu Paul Tajbert, dem Vorsitzenden des Vereins Goldblau Stuttgart und Vater von Box-Champion Vitali Tajbert, wurden schon geknüpft. Boris, der selbst aktiv Kampfsport betrieben hat, schwärmt von der Philosophie, die hinter dem Boxsport steht. Man lerne dabei Disziplin, setze sich Ziele und kämpfe für sie. „Durchs Leben muss man sich auch die ganze Zeit durchboxen,“ sagt der 23-Jährige und empfiehlt, die Rocky-Filme anzusehen, um zu verstehen, was er meint.
„Wir wollen damit auch die Philosophie von Muhammed Ali vermitteln“, erklärt Deniz: Der amerikanische Boxer habe sich für Frieden und gegen Rassismus engagiert. „Was ich davon gelesen habe, hat mir ein bisschen den Kopf gerade gestellt“, sagt Boris. Er ist überzeugt: Jungs wie die aus Raitelsberg brauchen solche Vorbilder mit einem ähnlichen Hintergrund, die trotzdem etwas aus ihrem Leben gemacht haben.