Blick für Alltagssorgen

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Aktiv im Stadtteil: Milena Renkl-Ristovic
Milena Renkl-Ristovic ist als ausländisches Mitglied im Bezirksbeirat Ansprechperson für die Migranten im Stadtteil. Die lebendige 79-Jährige war aber schon vorher vielen Familien in Stuttgart-Ost bekannt, denn sie engagiert sich schon lange. Ganz besonders liegen ihr Kinder und Jugendliche am Herzen.
Zu Parteipolitik hat Milena Renkl-Ristovic immer Abstand gehalten: „Ich will neutral bleiben und will jede Partei kritisieren, wenn ich denke, dass sie einen Fehler macht“, sagt sie, „und auch jede loben können“. Damit bleibt sie auch im Bezirksbeirat unabhängig – und hat sich schon mal erlaubt, aufzustehen und zu gehen, wenn sie fand, dass unnötig lange und ausschweifend diskutiert wurde.

Offen nach allen Seiten ist die gebürtige Serbin, die seit 1964 die deutsche Staatsbürgerschaft hat, wahrscheinlich schon aufgrund ihrer persönlichen Geschichte. Nach dem Krieg kam sie nach Deutschland zu ihrem Vater, der in deutscher Kriegsgefangenschaft war, aber als königstreuer Offizier nicht in ein kommunistisches Jugoslawien zurückkehren wollte. Sie arbeitete, lernte nebenbei Deutsch, studierte dann Slawistik, Geschichte und Ethnologie und bekam einen Lehrauftrag an der Universität in Würzburg. Dort lernte sie ihren Mann kennen und folgte ihm 1975 nach Stuttgart.
Milena Renkl-Ristovic erinnert sich gut, wie sie damals auf der Wohnungssuche zum ersten Mal in die Spittlerstraße kam und vom Ausblick auf die Stadt überwältigt war. Zwei Wochen später fand das Ehepaar genau dort eine Bleibe, inzwischen wohnt es ein paar Häuser weiter.
Die Wahl-Stuttgarterin mag die Vielfalt im Stadtbezirk Ost. Sehr positiv findet sie, dass unter den vielen hier lebenden Migranten keine Gruppe dominiert. Über Beruf und Ehrenamt wurde sie schnell für junge Menschen aktiv. Sie arbeitete als Berufsberaterin beim Arbeitsamt, übersetzte und dolmetschte nebenbei bei Gericht. In den Schulen wirkt sie als Vermittlerin und Übersetzerin, in der Ostheimer Realschule war sie Mentorin beim Berufsorientierungsprojekt „Startklar“. Sie hat die Sprachkurse „Mama lernt Deutsch“ mit angestoßen und kräftig die Werbetrommel dafür gerührt.
Als Mitglied des Stadtseniorenrates ist Milena Renkl-Ristovic für die älteren Menschen im Stadtteil aktiv. Im Bezirksbeirat würde sie sich noch mehr „Migrantenthemen“ im weitesten Sinne wünschen: Alltags- und Lebensfragen, die auch viele Deutsche betreffen - Kinderbetreuung, Mittagessen, Sprachförderung, Möglichkeiten, zusammenzukommen und Gemeinschaft zu leben. Ein wichtiges Anliegen ist ihr, dass das Kinder- und Jugendhaus Ostend nach dem geplanten Umzug genügend Raum erhält. Spielhallen will sie eindämmen, weil sie in ihnen eine große Jugendgefährdung sieht.
Die 79-Jährige hat das Forum der Kulturen mitgegründet und ist ein Beispiel dafür, dass man sich integrieren und einbringen kann, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. So pflegt sie bis heute rege Kontakte in ihre alte Heimat, ebenso ist sie in der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde in Stuttgart sehr aktiv. aia


ristovic: Milena Renkl-Ristovic ist im Einsatz für Jugendliche wie für Senioren.  Foto: aia