Kampfansage an den Müll

„Straßengalerie“ beim Zeppelin-Gymnasium
Ihre Schule halten die Schülerinnen und Schüler des Zeppelin-Gymnasiums vorbildlich sauber. Aber der Grünstreifen vor ihrem Schulhof wird ständig von anderen Menschen zugemüllt. Die Klasse 9c setzt dagegen ein Zeichen: Sie macht mit witzigen Plakaten im Street-Art-Stil auf das Problem aufmerksam und hofft, die Verursacher zum Nachdenken zu bringen. 
„Machen Sie das Zuhause auch?“, fragt ein Plakat, das einen mit Müll um sich werfenden Menschen zeigt, „no Wayste!“ mahnt ein anderes. 
Ein prall gefüllter gelber Sack ist dargestellt, ein Aufruf zu umweltfreundlichem Verhalten. Cartoon- und Graffiti-Stil kennzeichnen die Schilder, die kürzlich in den Morgenstunden im Zuge einer Art „Gehweg-Vernissage“ aufgestellt wurden. Das Presseecho war groß, das SWR-Fernsehen kam vorbei und drehte. Auch ein paar Passanten erkundigten sich, was denn hier passiere. Aufmerksamkeit zu wecken ist das Ziel. Denn den Grünstreifen an der Neckarstraße, eigentlich schön bepflanzt mit einer Eibe und anderen Büschen, nutzen viele Menschen, um zwischen dem Schlosspark und dem Stöckach ihren Müll loszuwerden, Fußgänger wie Autofahrer. „Der Klassiker ist: An der roten Ampel stehen, Tür auf – und Aschenbecher geleert“, sagt Schulleiter Holger zur Hausen. So sammeln sich Tag für Tag Fastfood-Verpackungen, Flaschen, Papier und mehr, selbst ein Sofa wurde hier schon mal entsorgt und am Morgen der Plakataufstellung zogen die Schüler einen Ölkanister aus dem Gebüsch. Ganz schlimm sei es bei Frühlings- und beim Volksfest, sagt der Rektor: „Da schmeißen sie uns sogar Whiskyflaschen über den Zaun in den Schulhof.“ 
Dabei halten die Jugendlichen ihre schöne, alte Schule und den Hof mit dem Bocksprungbrunnen bestens in Ordnung. „Wir haben in der Schule keinen Vandalismus“, sagt zur Hausen, „keine Schmierereien, keine Klebereien, keine Parolen“. Der Grünstreifen dagegen gehört gar nicht zur Schule, sondern ist öffentlicher Grund. Dennoch hat das Gymnasium den wöchentlichen Hofdienst der Achtklässler kürzlich ausgeweitet und diesen Bereich einbezogen. Und gerade im Zusammenhang mit der Sanierung des Stöckachplatzes, die in Vorbereitung ist, möchte es auf den Wert dieses traditionsreichen Gebietes hinweisen. 
Die Idee einer Kunstaktion hatte Referendarin Annkatrin Liebig, nachdem ihr das Thema Müll als Dauerärgernis für die ganze Schulgemeinschaft aufgefallen war. „Da dachte ich gleich an die 9c, weil die total engagiert sind“, sagt sie. Mit der Gestaltung habe man sich von den üblichen Verbotsschildern abheben wollen und lieber „ein Stück urbane Kunst gestalten, wie eine Straßengalerie“. Das habe Spaß gemacht, sagt Neuntklässlerin Nicole, die mit einigen Mitschülerinnen zusammen die Plakate an die Holzständer schraubte. Auf die Frage, ob der Müll sie störe, bestätigen alle Umstehenden unisono: „Schon!“ Es sei „schon ein bisschen traurig“, wenn trotz allem Reden über Umweltverschmutzung so achtlos gehandelt werde, sagt Berfin. Parallel zum Aufstellen sammelten die Jugendlichen Müll in Eimern, die sie – farblich passend gestaltet – zu den jeweiligen Schildern hängten.
Es sei auch schön gewesen, im Unterricht mal etwas zu machen, was mit dem Leben „draußen“ zu tun hat, findet Annkatrin Liebig. Noch schöner wäre, wenn es jetzt Früchte tragen würde. aia
 
Dajtina, Berfin, Anna und Nicole (von links) bringen eins der Plakate an. 
 
Felix und Henrik mit einem Plakat, daneben Cedrik und Emily beim Müllsammeln.