Neuer Blick auf Bekanntes

Neunte Ostwege-Broschüre ist erschienen
Immer wieder gelingt es dem Kulturtreff Stuttgart-Ost mit der Broschüre „Ostwege“ neue und unerwartete Blickwinkel auf den Stadtbezirk zu eröffnen. Jetzt ist die neunte Folge der Reihe erschienen: Ihr Titel lautet zwar „Ostwege für Anfänger“, aber auch eingefleischte Ostler können sich sicher sein, darin für sie Neues zu entdecken. 

Seit der ersten Ausgabe im Jahr 2003 erscheinen die schmalen Heftchen, die in die Innentasche der Jacke passen, in unregelmäßigem Abstand. Arbeitersiedlungen und Wohnkolonien waren ebenso schon Thema wie Aussichtspunkte und Höhenwege, Anthroposophie, Brunnen oder Kultur und Kunst. „Kreuz und quer auf allen möglichen Wegen durch die Stadtteile zu ziehen“ sei dabei das Ziel, sagt Gerhard Götze, der auch für die aktuelle Broschüre die Fotos schoss. Die Texte stammen von Ulrich Gohl, der als Historiker und Kurator von MUSE-O ohnehin laufend zur Ostgeschichte recherchiert und dabei manchmal Dinge zutage fördert, die zwar in keiner aktuellen Ausstellung, aber dafür in den Kulturtreff-Broschüren Niederschlag finden. Zusammen mit Dorothee Siefert präsentierten die beiden das neue Heftchen in der Stadtteilbibliothek Ost. 
Es richte sich zum einen an Neubürger im Osten, in dem ja doch „relativ viel Wandel und Wechsel“ sei, sagte Gohl. Aber natürlich wolle man „auch was bieten für die, die schon lange hier sind“. So enthielten die Texte zu den auffallenden und prägenden Gebäuden, die man schnell kennt, einige Überraschungen und Hintergrundinformationen. Wer weiß schon, dass im Hauptbau der Ostheimer Schule im Zweiten Weltkrieg mehr als 400 russische Zwangsarbeiter untergebracht waren? Oder dass eine Gruppe von Krankenschwestern das Karl-Olga-Krankenhaus gegründet hat? Ergänzend enthält die Broschüre Objekte, die man zwar immer wieder wahrnimmt, über die man sich, so Gohl, aber keine Gedanken mache: das Kraftwerk oder die Funktürme zum Beispiel. Und bei einem Gebäude wie der Schwabengarage fragt man sich zunächst, was die denn in der Broschüre zu suchen hat – um dann zu lesen, dass an ihrem Standort einst der älteste Zoo Deutschlands und in den 1920er-Jahren eines der größten Parkhäuser der Welt standen. 
Zu jedem Stadtteil hat Gohl einen kurzen Überblick verfasst, der auf den Punkt bringt, „was ihn historisch prägt und ausmacht“.  Die einzeln beschriebenen Objekte sind auf Kartenausschnitten eingezeichnet. Und auch zu diesem Heft werden wieder geführte Spaziergänge, die Ostwege-Führungen, angeboten. Die ersten beiden haben bereits im Mai stattgefunden, weiter sind im September und Oktober geplant.
Die 36 Seiten starke, handliche Broschüre ist kostenlos und in einer Auflage von 3000 Stück erschienen. Sie liegt an folgenden Stellen aus: in der Stadtteilbibliothek in der Schönbühlstraße 88, in der Infothek des Rathauses der Stadt Stuttgart, in der Ostend-Buchhandlung, im MUSE-O und im Naturfreundehaus Fuchsrain. 
Ideen und Stoff für weitere Ostwege-Folgen haben die Macher noch reichlich. Der Erscheinungsrhythmus des Heftchens hängt aber auch von der Kassenlage des Vereins ab. Zunächst sollen nun zwei ältere, vergriffene Folgen nachgedruckt werden. 
 
Auch dem Wasserhochbehälter am Kanonenweg ist ein Abschnitt gewidmet. Foto: aia