Privates Grün soll öffentlich werden

Else-Kienle-Staffel und Umfeld 
Verpachtete Gärten oder öffentliches Grün? Diese Frage stellt sich im Bereich der Else-Kienle-Staffel hinter der hauswirtschaftlichen Schule, die im Zug des Sanierungsgebietes Stöckach umgestaltet wird. Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung trug im Bezirksbeirat verschiedene Varianten vor und erhielt ein klares Votum für eine öffentliche Grünanlage mit einer Struktur, die an private Streuobstwiesen oder „Stückle“ erinnert. Der Nachbarschaftsgarten soll dabei erhalten bleiben.
An die Else-Kienle-Staffel grenzt auf einer Seite der Nachbarschaftsgarten, auf der anderen liegen vier derzeit privat verpachtete Grundstücke mit unterschiedlichem Pflegezustand. Ihre Verträge müssten im Zug einer Umwandlung gekündigt werden. Die Abwägung zwischen öffentlichem und privatem Grün sei schwierig, sagte Holch und betonte, es sei das Ziel, „in der Stadterneuerung keine Verlierer zu produzieren“. Deren Zahl wäre in diesem Fall aber überschaubar. Und für eine öffentliche Nutzung spreche, dass gerade für Bewohner in diesem Bereich die nächste Grünfläche teilweise mehr als 500 Meter entfernt ist: „Das ist eine extreme Unterversorgung.“ 

Der Bezirksbeirat bestärkte ihn in dieser Sichtweise. Er sprach sich von den vier vorgestellten Varianten für eine aus, die bestehende Elemente und Wege der kleingärtnerischen Strukturen aufgreift, aber zugänglich macht. Als Beispiel, wenngleich mit wesentlich größerer Fläche, nannte Holch den Landschaftspark Wernhalde in Stuttgart-Süd. Der Nachbarschaftsgarten solle erhalten und etwas lichter gestaltete werden. Die Treppe würde in allen Varianten gerade und offener als Sichtachse bis zur Landhausstraße wirken. Zwei andere Varianten sahen deutlich mehr Terrassierung und Staffelung vor. Die meisten Redner in der Sitzung bewerteten den Entwurf positiv. Die Befürchtung Heinz Härles (AfD), dass eine Öffnung der Anlage zur Vermüllung führe, ließen sie nicht gelten: „Dann könnte man ja jede öffentliche Grünanlage schließen“, sagte Bernhard Herp (CDU). Sein Fraktionskollege Thomas Rudolph bemerkte auf die Frage von Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier nach Flächen fürs Urban Gardening: „Das haben wir bereits im Nachbarschaftsgarten. Besser als da kann Urban Gardening gar nicht funktionieren.“ Auch Martin Holch zeigte eine gewisse Skepsis bei dem Thema: Er tue sich schwer mit der Forderung nach immer neuen Flächen fürs Urban Gardening, während an anderer Stelle Grünflächen brachlägen und nicht gepflegt würden.
Auch im Stöckachtreff, der im Zuge der Bürgerbeteiligung das Sanierungsgebiet Stöckach mitgestaltet, wurden die Pläne bereits diskutiert. Mit geteiltem Echo – die Mitglieder stuften teils den Verlust der privaten Gärten als problematisch ein. Daran wird man aber aus Sicht des Amtes für Stadtplanung kaum vorbeikommen. Auch die Begradigung der Treppe wurde von manchen kritisch gesehen, andere befürworteten sie schon aus Sicherheitsgründen. aia
 
Die Else-Kienle-Staffel wird nach den Plänen geradeaus weiterlaufen, wo jetzt noch die Hauswirtschaftsschule stehen. Foto: aia