Kommentar - Sinnloser Aktionismus

„Jetzt kommt der Rudolph wieder mit seinem Lieblingsthema Parkplätze“: Es ist mir bewusst, dass mancher Kollege aus dem Bezirksbeirat das sagen wird. Ich ergreife die Gelegenheit, um einmal mehr darauf hinzuweisen, dass ich an dieser Stelle – in „Ihr Stadtteil aktuell“ – als Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Stuttgart-Ost spreche und nicht als Bezirksbeirat. Vom Handels- und Gewerbeverein gibt es, bei allen unterschiedlichen politischen Positionen, die in ihm vertreten sind, einen klaren Beschluss: Er lautet, sich gegen jede ersatzlose Vernichtung von Parkplätzen zu stellen. Denn diese kratzt (ganz unabhängig vom Ärger der Anwohner, die ohnehin kaum einen Parkplatz finden) immer an der Existenz der Gewerbetreibenden, die wir vertreten. Das gilt auch für die Geschäfte und die Gastronomen, die noch in der Wagenburgstraße vorhanden sind. 
Ich möchte aber auch deutlich machen, warum ich unabhängig vom Parkplatzverlust Busspuren in der Wagenburgstraße für sinnlosen Aktionismus halte:

Eine Busspur stadtauswärts, also in der Wagenburgstraße bergab, bringt keinen Zeitgewinn. Wenn der Bus im Stau steht, dann in der Regel vom Hauptbahnhof her kommend schon vor dem oder im Tunnel. Auf der Wagenburgstraße bleibt er schon deshalb nicht stecken, weil er an seinen Haltestellen auf der Fahrbahn hält. Die nachfolgenden Autos müssen also hinter ihm warten. Da der Bus hier zudem die Möglichkeit hat, eine Grünphase der Ampel anzufordern, kommt er auf dieser Strecke zügig bis zu seinem Endhalt in der Ostendstraße, wo meistens sogar einige Minuten Puffer bis zur Wiederabfahrt bleiben.
Eine Busspur stadteinwärts, also die Wagenburgstraße aufwärts, besteht ja auf dem letzten Abschnitt schon. Sie bringt aber nicht viel, weil auch hier gilt: Stau entsteht auf der anderen Seite des Tunnels, wo es derzeit aufgrund der S-21-Baustelle weniger Fahrbahnen gibt. Von dort staut der Verkehr in den Tunnel zurück. Eine separate Spur im Vorfeld ändert daran gar nichts. Viel sinnvoller wäre meiner Überzeugung nach, den Bus 40, der Fahrgästen zufolge in den Stoßzeiten vollkommen überfüllt ist, in kürzerem Takt fahren zu lassen.
Somit halte ich die Einrichtung von Busspuren zum einen für rausgeworfenes Geld, zum anderen für eine Frechheit gegenüber den Anwohnern. Als Ausgleich ein Quartiersparkhaus zu fordern, hört sich zwar gut an, ist aber doch eine Nebelkerze. Quartierparkhäuser sind zwar eine gute Sache, die wir vom HGV befürworten. Allerdings haben sie sich bisher im Osten noch nirgends umsetzen lassen – selbst in Gablenberg, wo man sogar geeignete Grundstücke gesichtet hatte, nicht. Im Bereich der Wagenburgstraße kann ich noch nicht einmal eine vorstellbare Fläche dafür ausmachen. Fände man dennoch eine Möglichkeit, würde es Jahre bis zur Fertigstellung dauern, die Busspuren sollen aber schon 2019 kommen.
Thomas Rudolph, 
Vorsitzender Handels- und Gewerbeverein Stuttgart-Ost