Nicht nur bio, auch fair

Bewusster Einkauf im Bio-Markt
Bei manchen Produkten muss sich ein Biomarkt ordentlich ins Zeug legen, damit er sie bekommt – weil sie begehrt, aber keine Massenware sind. Samuel von Pokrzywnicki, dem Filialleiter des Erdi-Marktes in der Neckarstraße, fallen dazu einige Beispiele ein: Vorzugsmilch aus der Region zum Beispiel oder Joghurt von Bittenfelder. 

Das spiegelt einen Trend wider, der nicht nur die Biobranche betrifft: Regionale, ursprüngliche Lebensmittel sind gefragt, möglichst direkt vom Erzeuger. Die Kunden haben dabei neben ihrer Gesundheit und ökologischen Aspekten auch faire Bedingungen für die Erzeuger, Menschen wie Tiere, im Blick. 
Auch in anderen Bereichen schauen die Kunden genau hin, was drinsteckt: So liegen nach wie vor „Frei-von-Produkte“ sehr im Trend, nicht nur frei von Zucker, sondern beispielsweise auch von Laktose, von Gluten oder von jeglichen tierischen Produkten, also vegan. Manche Kunden achten zudem auf „samenfestes“ Obst und Gemüse, um den Anbau von Hybridpflanzen nicht zu fördern. Diese Eigenschaft sieht man zwar Zucchini & Co nicht an, sie wird aber bei Erdi auf den Herkunftsschildern erwähnt. 
Der Lebensmitteleinkauf ist oft Ausdruck einer Lebenshaltung. Die Verpackung ist dabei ebenfalls ein großes Thema, soweit möglich, versucht Erdi auf Folien und Plastikverpackung bei Obst und Gemüse zu verzichten und hat wiederverwendbare Gemüsenetze im Angebot. „Müsli und kandidierten Ingwer haben wir ebenfalls lose“, sagt von Pokrzywnicki. 
Auch Fair-Trade ist für den Filialleiter „nicht nur ein Türschild, sondern eine Grundsatzentscheidung“. Entsprechend umfangreich ist das faire Produktangebot: von Fairtrade-Kaffee und Tee über Schokoprodukte und den Kokoblock im Sommer bis hin zu Reis und Säften. Sogar das demnächst eintreffende Ostersortiment enthält Osterhasen aus bio-fairem Anbau. 
Schwierige Anfänge
Verglichen mit den Anfangsjahren von Erdi hat sich in der Gesellschaft viel bewegt. Damals, vor 37 Jahren, waren die Gründer Vera und Karl Hässner Bio-Pioniere. Der ehemalige Lehrer und seine jetzige Frau verschrieben sich aus purer Überzeugung biologisch angebauten Lebensmitteln. Hip war das damals noch nicht. Belächelt und auch angefeindet wurden die beiden anfangs, mancher wechselte sogar die Straßenseite, um nicht am Bioladen vorbeilaufen zu müssen. „Einige hielten uns wegen unserer Tätigkeit sogar für Provokateure“, erinnert sich Karl Hässner. Zu einem Umdenken bei der Bevölkerung haben Reaktorunglücke und Lebensmittelskandale beigetragen. Karl und Vera Hässner standen jahrzehntelang selbst in ihrem ersten 20-Quadratmeter-Verkaufsraum und arbeiten auch heute noch aktiv mit. Die Grundsätze, was hochwertigen Bioanbau, Regionalität und Fairness angeht, sind dabei in der ganzen Zeit die gleichen geblieben.
Die Lage des Erdi-Markts am Stadtbahn-Knotenpunkt sieht Filialleiter von Pokrzywnicki als Vorteil, das Fehlen von Parkplätzen sei aber ein großes Manko. Noch problematischer ist die Anlieferung: Die Lastwagen könnten in den Morgenstunden an dieser Stelle praktisch nie halten und müssten den Stöckachparkplatz in 150 Metern Entfernung zum Ausladen benutzen. Für den Erdi-Markt sei deshalb enorm wichtig, dass bei der Umgestaltung des Stöckachplatzes ein Haltebereich für Anlieferer und – wenn möglich - für Kunden der Geschäfte am Stöckach vorgesehen wird.