Friseur Härle verabschiedet sich

Nachfolge geregelt – „kultige“ Inneneinrichtung bleibt
Heinz Härle hat in seinem Berufsleben als Friseur manche Mode kommen und gehen gesehen. Hochsteckfrisuren zum Beispiel sind wieder en vogue: „Die gab’s in den 50er-Jahren schon, dafür und für die Wasserwelle hatten wir extra eine Friseurin.“ Sein Vater Alfons Härle hat 1933 seinen ersten Friseursalon in Stuttgart eröffnet, 1961 zog er an den Stöckachplatz um und 1977 übergab er das Geschäft an den Sohn, der gerade die Meisterprüfung absolviert hatte. Nach mehr als vier Jahrzehnten geht dieser nun, 69 Jahre alt, zusammen mit seiner Frau Renate in den Ruhestand. 

Das Ehepaar freut sich, einen Nachfolger gefunden zu haben, der am Traditionsstandort weitermacht. Es ist Ioannis Chronakis, der Inhaber von „Jack the Ripper“ in der Hackstraße, der dort einen Barber & Tattoo-Shop betreibt, eine Art Refugium für Männer mit ganz besonderer Atmosphäre. Als Pendant dazu möchte er in Härles Salon zusammen mit Robert Büscher einen Friseur- und Beauty-Salon für Frauen aufbauen. Auch hier setzt der neue Inhaber auf besondere Atmosphäre, für die er die besten Voraussetzungen vorfindet, denn in Härles Salon ist die Innenausstattung fast komplett original aus den 60er-Jahren. Himmelblaue Waschbecken im zeitlosen Design und goldfarbene Verblendung der Unterschränke und an den Lampen sind zeitlos-schön und geeignet, nostalgische Gefühle zu wecken. „Zu 80 bis 90 Prozent wollen wir das so erhalten“, versichert Chronakis. Nach einer kleinen Umbau- und Renovierungspause will er am Sonntag, 6. Mai neu eröffnen; am Tag danach beginnt dann der reguläre Betrieb. 
Heinz Härle hat in den vergangenen Jahren sein Personal nach und nach reduziert, sodass er nun zum Abschied niemandem kündigen muss. Zuletzt hatte er selbst sein Reich als Herrenfriseur unten im Eingangsbereich, während seine Frau eine Ebene darüber die Damen frisierte. Als Härle den Salon in den 70ern übernahm, waren ein weiterer Herrenfriseur und drei bis vier Friseurinnen angestellt. 
„Mein Beruf hat mir von Anfang bis heute immer Spaß gemacht“, sagt der Friseur mit dem schicksalhaften Namen. Etliche Promis gingen bei ihm ein und aus, vor allem aus den Reihen des Süddeutschen Rundfunks, als der seinen Sitz am Stöckach hatte. Das Aufhören fällt Härles schon ein bisschen schwer, besonders im Hinblick auf die langjährigen Kundinnen und Kunden. Einige Damen über 80 haben sich schon von Härles Vater stylen lassen und kamen bis jetzt regelmäßig in den familiär geführten Salon. 
Auch übers eigene Geschäft hinaus hat sich der Friseurmeister immer am Stöckach und in der Kommunalpolitik eingebracht. So ist er seit mehr als 25 Jahren stellvertretender Vorsitzender im Handels- und Gewerbeverein Stuttgart-Ost. Zu seinen besonderen Aufgaben gehörte die Organisation des jährlichen Ausflugs, die er immer akribisch und mit viel Liebe zum Detail durchführte. Auch Mitglied des Bezirksbeirats ist Heinz Härle. aia
 
Heinz Härle verabschiedet sich aus seinem Salon am Stöckachplatz. Foto: aia