Aus Liebe zum Leder

Neumitglied im HGV Stuttgart-Ost: Kathrin Hartmann 
Ob Schuhe, Taschen oder Motorradsattel: Bei Kathrin Hartmann geht es immer um Leder. Die gelernte Kfz-Sattlerin und Schuhmacherin liebt es, mit diesem Material umzugehen und ist für eine Maßanfertigung ebenso zu haben wir für kleine Reparaturen. Seit 2014 hat sie ihre eigene Werkstatt in der Hackstraße. Dass sie mit ihren 33 Jahren ihr Handwerk bestens versteht, hat Kathrin Hartmann kürzlich – nach mehreren Auszeichnungen als Azubi – erneut bewiesen: Sie hat mit ihren beiden eingereichten Paar Schuhen den Handwerkspreis 2018 des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums gewonnen.  

Leder war schon immer ihr Material. So machte Kathrin Hartmann nach der Schule eine Ausbildung zur Sattlerin in der Polsterei des Oldtimerrestaurators Kienle. Dabei ging’s um Sitze, Verdecke, Verkleidungen, vor allem aber um Präzision. „Jede Schraube bleibt beim Teil“, sagt Kathrin Hartmann – sonst wird kein Auto mehr draus. Die Lehre zur Schuhmacherin schloss sie unmittelbar an. Das sei einfach die „wesentlich filigranere“ Arbeit, sagt sie, und „unglaublich schön, Schuhe auf Maß anzufertigen.“ Gelernt hat sie das bei den Staatstheatern Stuttgart, wo sie auch jetzt noch in Teilzeit tätig ist. 
Der andere Teil der Zeit gehört der eigenen Werkstatt im Hinterhof der Hackstraße 20a. Völlig unscheinbar von außen, tritt man in einen schlicht-schönen Raum mit alten Werkzeugen. Von der Decke hängen Schuhleisten aus Holz, in den Regalen stehen handgefertigte Taschen, Schuhe, Gürtel und andere Accessoires. Auch ihre kürzlich preisgekrönten Schuhe sind darunter: edle, zeitlose Leder-Ballerinas und Pumps, bei denen sie ein orange gefärbtes Lachsleder verarbeitet hat. Fischleder sei ein tolles Material, das sonst weggeworfen werde, erklärt die Schuhmacherin, die gerne ein bisschen experimentiert und auch mal High-Heels ohne Absätze macht. Wer wissen will, wie das zusammenpasst, muss es sich anschauen. 
Die Schuhproduktion lief bei Kathrin Hartmann im vergangenen Jahr wie am Schnürchen. Von der Stange gibt es bei ihr nichts; sie hat auch kein Modellsortiment, an dem man sich orientieren kann. Am besten eine Zeichnung oder ein Foto von einem ähnlichen Stück mitbringen, rät sie. Dann werden die Füße vermessen, die passenden Holzleisten und schließlich die Schuhe hergestellt. 
Die Schuhmacherin ist aber auch für „Kleinkram“ und Reparaturarbeiten aller Art zu haben, bis hin zum neuen Schuhabsatz. „Man kann mit allem kommen und fragen“, sagt sie und verspricht eine ehrliche Beratung, in der sie immer auch die Alternativen aufzeigt: billige Grundreparatur oder hochwertige Reparatur, das entscheiden letztlich die Kundinnen und Kunden. Es gebe jedenfalls kaum etwas Schöneres, als einer Frau oder einem Mann die Lieblingstasche oder den Lieblingsrucksack wieder ganz zu machen, lacht Kathrin Hartmann. 
Mit Schuhmachermeister Ralph Jaekel am Stöckach arbeitet die junge Schuhmacherin eng zusammen. Beide ergänzen sich: Er mit seinen Jahrzehnten an Erfahrung, sie mit ihrer zusätzlichen Sattler-Ausbildung und den Ideen einer anderen Generation. Und ab Frühjahr 2020 braucht Kathrin Hartmann neue Räume. Die müssen nicht in der ersten Reihe liegen, „Hinterhof ist wunderbar“, betont sie. Aber hell sollten sie sein und echte Werkstatträume, in denen es auch klopfen und stauben darf. aia
Kathrin Hartmann, Hackstraße 20a (im Hinterhof), Telefon 0151 26888674, kontakt@hartmann-schuhwerk.de. Öffnungszeiten: Mittwoch 16-18 Uhr, Donnerstag 10-18 Uhr, Freitag und Samstag nach Vereinbarung. 
Kathrin Hartmann mit preisgekröntem Schuh in der Hand. Foto: aia