Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser, 
sind Sie „politikmüde“? „Es bringt ja eh nichts, sich zu engagieren – die da oben machen sowieso was sie wollen“, hört man oft in diesem Zusammenhang. Mit dem Stuttgarter Osten im Blick lässt sich diese Behauptung schnell entkräften. Meine persönliche Erfahrung ist, dass es sehr wohl etwas bringt, sich politisch einzusetzen. Das möchte ich an einigen Beispielen aus dem vergangenen Jahr belegen.
Jüngstes Beispiel war das neue Bäderkonzept der Stadt mit seinen stark reduzierten Öffnungszeiten. Im Leo-Vetter-Bad wäre demzufolge in den Sommermonaten gar kein öffentlicher Badebetrieb mehr möglich gewesen. Das hat im Bezirksbeirat und in der Bevölkerung (wie auch bei ähnlichen Fällen in anderen Stadtteilen) einen Aufschrei ausgelöst. Mit der erfreulichen Folge, dass die Pläne aufgeschoben wurden. Sie werden sicher nicht in der bevorstehenden Sommersaison umgesetzt und höchstwahrscheinlich noch einmal überarbeitet. 

Auch beim Wettbewerbsentwurf für den Schmalzmarkt haben Proteste von verschiedenen Seiten – insbesondere der Handels- und Gewerbevereine Gablenberg und Stuttgart-Ost – dazu geführt, dass neu überlegt und nachjustiert wird. Das hatte die Stadtverwaltung zuvor ausgeschlossen, angesichts des massiven Drucks dann aber doch einen Weg gefunden. Und noch ein drittes Beispiel: Ohne die Unterschriften und Proteste von Gewerbetreibenden und Anwohnern gäbe es mittlerweile wahrscheinlich schon eine reine Busspur die Wagenburgstraße abwärts und damit weniger Parkplätze. Auch dieses Vorhaben wurde bis auf Weiteres vertagt, jetzt sollen zunächst die Effekte des Parkraummanagements abgewartet werden. 
Diese drei Beispiele zeigen, dass Protest aus der Bevölkerung, aus Vereinen oder dem Bezirksbeirat durchaus wirken kann. Unabhängig davon kann man sich an vielen Stellen konstruktiv einbringen, zum Beispiel bei den verschiedenen Bürgerbeteiligungsverfahren. Das Konzept der Villa Berg sähe ohne die Ideen aus der Bürgerschaft mit Sicherheit anders aus; das Sanierungsgebiet Stöckach und das Sanierungsgebiet Gablenberg sind weitere Beispiele. Und selbst mit ein paar kleinen Kreuzen kann man etwas bewegen: auf dem Wahlzettel am 26. Mai.
Von daher: Lassen Sie „die da oben“ nicht einfach machen, sondern bringen Sie sich und Ihre Meinung ein. 
 Thomas Rudolph, 
Vorsitzender Handels- und Gewerbeverein Stuttgart-Ost